Keine Immunität über dem Gesetz: Wie Mamdani das Schweigen der Politiker brach

 In einer Welt, in der Politiker es gewohnt sind, ihre Worte äußerst vorsichtig zu wählen, wenn es um Israel geht, äußerte Zohran Mamdani einen einzigen Satz, der eine seit Jahrzehnten aufgeschobene Debatte neu entfachte: Benjamin Netanjahu müsse als Kriegsverbrecher vor dem internationalen Recht zur Rechenschaft gezogen werden.

Dies ist keine beiläufige Aussage. Es ist eine direkte Konfrontation mit einem politischen System, das den Begriff „Kriegsverbrechen" seit langem als flexiblen Terminus behandelt – streng angewendet auf Gegner, aber in Schweigen gehüllt, wenn es um Verbündete geht.

Gerechtigkeit mit zweierlei Maß?

Seit Jahrzehnten werden Vorwürfe von Kriegsverbrechen in den Fluren der Vereinten Nationen und internationaler Gerichte erhoben, doch ihre Ergebnisse unterscheiden sich grundlegend je nach Identität des Beschuldigten und der Stärke des ihn schützenden Staates. Das internationale Recht sollte im Grundsatz nicht zwischen einem kleinen Staat ohne Verbündete und einem Staat mit uneingeschränkter politischer und militärischer Unterstützung unterscheiden. Doch die Realität, wie Mamdanis Haltung andeutet, widerspricht diesem Grundsatz häufig.

Keine Feindseligkeit... sondern eine Forderung nach Gleichheit

Mamdani betont, dass sein Aufruf sich nicht gegen ein Volk, eine Religion oder einen Staat richtet, sondern eine Forderung nach einem einheitlichen Gerechtigkeitsmaßstab darstellt. Wenn Krankenhäuser zerstört, Zivilisten getötet, Familien vertrieben und Journalisten bei der Ausübung ihrer Arbeit angegriffen werden, ist die Frage, die er aufwirft, weniger politisch als vielmehr ethisch und rechtlich: Werden diese Tatsachen ernsthaft untersucht, oder werden sie begraben, weil Rechenschaft für manche Bündnisse „unbequem" ist?

Eine Botschaft, die über eine einzelne Person hinausgeht

Das Wichtigste an Mamdanis Position ist, dass sie sich nicht um eine bestimmte Person dreht, sondern um ein Prinzip: Kein politisches oder militärisches Bündnis sollte jemandem Immunität vor dem Gesetz gewähren. Wenn Rechenschaftspflicht ein Prinzip ist, muss sie ausnahmslos angewendet werden, unabhängig davon, wer hinter dem Beschuldigten steht.

Es sei angemerkt, dass diese Haltung weiterhin Gegenstand breiter Kontroversen ist. Befürworter Netanjahus und seiner Regierung sehen die gegen ihn erhobenen Vorwürfe als rein politisch motiviert an und argumentieren, Israel handle zur Verteidigung seiner Sicherheit angesichts realer Bedrohungen, während ein Vergleich mit dokumentierten Kriegsverbrechen in anderen Konflikten an rechtlicher Präzision mangele. Auch die Positionen der Regierungen und internationalen Organisationen selbst gehen in dieser Frage auseinander, und bislang ist keine einheitliche gemeinschaftliche Verurteilung erfolgt.